letztes Update: 21.06.2019
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Vettelschoß Abriss aus der Geschichte (2)

Wirtschaft und Bevölkerung

Foto von Kindern
Gruppe von Kindern (Pänz) aus Vettelschoß

Das Dorf Vettelschoß zählte 1660 elf Häuser und damit etwa 60 Einwohner, die wahrscheinlich alle von der Landwirtschaft lebten. Es gab allerdings um diese Zeit im Dorf auch schon ein kleines Pottaschewerk. 1815 zählte die Gesamtgemeinde 352 Einwohner, 1840 waren es 472, 1871 waren es 541, und 1895 waren es 570 Einwohner, die in Siedlungen von ca. 120 Häusern und auf neun Höfen verteilt lebten. Viele Männer arbeiteten damals als Arbeiter beim Straßenbau oder in den umliegenden Steinbrüchen, besonders am Willscheider Berg, dessen Abbau 1884 durch die Firma Zerwas & Söhne begann. 1893 ging der Willscheider Berg in den Besitz der BAG Linz über. In diesem Basaltsteinbruch waren am Anfang 50 und 1924 über 100 Männer beschäftigt. Dazu kamen noch etwa 50 Arbeitsplätze am Geißen- und Türkenhügel, dem heutigen Bereich der Tennisanlage und dem Blauen See, wo die Gebrüder Uhrmacher 1914 ebenfalls einen Steinbruchbetrieb eröffnet hatten.

1924 wurde erstmalig in der Welt das Schmelzbasaltwerk in Kalenborn zur großtechnischen Herstellung von Schmelzbasalt aus Basaltgestein errichtet. Die Idee kam von einem französischen Arzt, der in Laborversuchen den Grundstein für diese Technik gelegt hatte. Heute wird Schmelzbasalt weltweit als Schutzwerkstoff gegen Verschleiß eingesetzt.

1930 wurde in Kalenborn ein Teerwerk eröffnet. Von 1895 bis 1939 war die Gemeinde um weitere 50% auf 1131 Einwohner angestiegen. Davon entfielen auf das Dorf Vettelschoß 489 Personen. Der zweite Weltkrieg hinterließ in der Bevölkerung der Gemeinde tragische Einschnitte. Fast jede Familie hatte Verwundete oder gefallene Angehörige zu beklagen.

Vom direkten Kriegsgeschehen blieb die Gemeinde zunächst weitgehend verschont. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als amerikanische Truppen überraschend die Ludendorff-Brücke zwischen Remagen und Erpel Anfang März 1945 einnahmen und auf der rechten Rheinseite einen Brückenkopf bilden konnten.

Heftige Bodenkämpfe, unterstützt durch Artillerie und Luftwaffe von beiden Seiten, forderten einen hohen Blutzoll unter den Militäreinheiten. Im Zuge dieser Kämpfe waren auch Opfer unter der Zivilbevölkerung zu beklagen. Der materielle Schaden war sehr hoch. Besonders betroffen waren die Ortsteile Kalenborn, Oberwillscheid und Kretzhaus. Die meisten Häuser waren stark beschädigt bis völlig zerstört. Nach einer kurzen Zeit amerikanischer Besatzung wurde unsere Gemeinde der französischen Zone zugeordnet.

Das öffentliche Leben normalisierte sich nach Kriegsende nur langsam. Die von der Bevölkerung weitgehend abgeschotteten militärischen Aktivitäten im Raum zwischen Asberg und Bruchhausen in den letzten Kriegsjahren dienten der Anlage eines großen Munitionslagers und dem Bau von Abschußrampen für V2-Raketen.

In diesem Gebiet sind noch heute Betonfundamente, Straßenbefestigungen und Unterstände zu erkennen. Nach dem Krieg siedelten sich in den Jahren des Wirtschaftswunders und wegen der günstigen Verkehrsanbindung an die nahe gelegene Autobahn mehrere moderne Gewerbe- und Industriebetriebe, z.B. die Firma Streif Schalungsbau, in der Gemeinde an. Aus diesem Unternehmen entwickelte sich eine der größten Fertighausfirmen Deutschlands mit bis zu insgesamt 5000 Mitarbeitern und ca. 4500 Hausaufbauten pro Jahr. Der Niedergang der Bauwirtschaft Ende der 70er Jahre und die erforderlichen Umstrukturierungen blieben nicht ohne Folgen für Streif und unsere Gemeinde. Entsprechend dieser Entwicklung erhöhte sich die Einwohnerzahl bis 1970 auf 2285 und blieb dann nahezu konstant bis 1980.

In den letzten beiden Jahrzehnten nahm die Einwohnerzahl wieder stark zu. 1990 lebten hier 2878, im Jahr 2000 bereits 3523 Einwohner. Durch die Fertigstellung neuer Baugebiete in den nächsten Jahren ist für einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren mit einer Einwohnerzahl von von ca. 5000 Einwohnern zu rechnen.

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Wappen

seit 1983 gültig.

- Das Flammschwert ist Symbol für den Erzengel Michael,

- das Hufeisen für die frühere Haupterwerbsquelle Landwirtschaft,

- die Basaltsäulen für den Bergbau und die Nachfolgeindustrie.

Geschichte der Gebietszugehörigkeit Vettelschoß

- Im 9.-12. Jahrhundert verschiedenen Gebietsordnungen unterstellt.

- Bereits im 13. Jahrhundert heutige gemeindliche Struktur anlässlich der Klostergründung Heisterbach und St. Katharinen.

- 1344 erste urkundliche Erwähnung.

- 1418 Verwaltungseinheit Hunschaft Lorscheid II, politisch zum Kurfürstentum Köln gehörig.

- 1803 an die Fürsten zu Wied.

- 1806 an die Fürsten zu Nassau-Usingen.

- 1815 an das Königreich Preußen.

- Nach 1945 zu Rheinland-Pfalz, Amt Neustadt Wied.

- Ab 1970 durch Reform zur Verbandsgem. Linz.

 
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